Die Schwelle
von Paul Trog
Die Trennlinie zwischen Sein und Werden ist die Daseinsschwelle
im Jetzt. Vom Unmittelbaren erfasst, wird diese Trennlinie zur
Zukunftsschwelle, die vom Sein zum Werden führt. Gleichzeitig
reift das Werdenembryo im Sein, wachsend, sich im Verstehen
entfaltend und Lebenskraft erzeugend.
Das Sein formt das Werden und die dynamische Entfaltung des
Werdens im Sein, bestimmt im Grundsatz die Seinsgestalt. Das
intelligente Bewusstsein ist diesem lebenden, evolutionären,
sich ständig erneuernden Vorgang unterworfen.
Das Hören und Fühlen, das Sehen, sowie die Sehnsucht nach
wachsendem Realitätsverständnis können daher nur Momentaufnahmen
im Seinsumfeld erkennen und beleuchten. Ein sich ständig
wandelnder Umstand ist in seiner multidimensionalen Mobilität
vom menschlichen Verstand zur Gänze nicht erfassbar.
Denn der ewige Zeitstrom, alles verändernd und bereichernd,
fließt unaufhaltsam und beständig weiter.
Das sich stets erneuernde und daher vom Werden nie gänzlich
fassbare Geschehen, das im Jetzt bis zur Erschöpfung verfolgt
wird, schiebt in seinem ständigen Wandel die Zukunftsschwelle vor
sich her, bis dass die Wasserscheide der Ewigkeit erreicht wird.
Dort muss der Übergang zu einer weiteren, von unserem Verstehen
auch nicht fassbaren Entwicklungsstufe im Werden stattfinden -
oder es erfolgt unweigerlich das Sterben des Werdenembryos im Sein.
Somit wird ein Sturz in das ewige Vergessen unvermeidbar.
Im Werden erscheint uns Christus, diesen Zyklus durchbrechend.
Und wenn Ihm von ganzen Herzen Einlass gewährt wird, wäscht und
befruchtet Er das Werdenembryo im Sein mit dem Blut und dem Wasser, die
am Kreuz für die Menschheit aus Seinen Wunden flossen.
Gleichzeitig wird das eherne Tor der Zeit zerschmettert und die
allumfassende, ewige Erfüllung in Christus kann dann erfolgen.
Paul Trog
Innsbruck,
30/08/09